Eine neue Katzenbeziehung – Fehler vermeiden

3 Fehler, die Du beim Start in eine neue Katzenbeziehung vermeiden solltest

Ein glücklicher, entspannter Mehrkatzenhaushalt, genau das wünschen wir uns für unsere Samtpfoten und natürlich auch für uns selbst. Allerdings ist es nicht selbstverständlich, dass Katzen, die wir auswählen, sich verstehen und miteinander zurechtkommen.

Wir Menschen vergessen oft, dass Katzen nicht automatisch zueinander passen, weil wir vielleicht unser Herz an eine süße Katze aus dem Tierschutz verloren haben, die dringend ein neues Zuhause sucht. Katzen sind Individuen und haben ihre ganz eigene Meinung, was Artgenossen angeht.

Heute soll es daher darum gehen, was wir Menschen im Vorwege nicht tun sollten, um ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen unseren Samtpfoten vorzubeugen.

Unpassende Gründe
Es gibt viele Gründe, warum wir Menschen uns für eine (weitere) Katze entscheiden und in vielen Fällen geht es schlichtweg um uns. WIR finden, dass unsere eine Katze zu lang allein ist, WIR wollen ein kleines Kätzchen von der Straße retten, WIR finden, dass unsere Katze traurig ist.

Leben wir mit mehreren Katzen zusammen, kommt es zwangsläufig zu dem Punkt, dass eine Samtpfote irgendwann den Weg über die Regenbogenbrücke antreten muss. Eine andere Katze bleibt allein zurück und wir sind vielleicht der Meinung, dass sie nach kurzer Zeit unbedingt einen neuen Partner braucht.

Zum einen dürfen wir uns immer fragen, ob es nicht eher UNSER Wunsch ist und zum anderen sollten wir nicht vergessen, dass wir nicht einfach eine Katze durch eine andere ersetzen können. Das ist bei uns Menschen nicht anders. Jeder Mensch ist ein Individuum und durch keinen anderen Menschen zu ersetzen. Und genauso geht es auch unseren Samtpfoten, die vielleicht noch mitten in ihrer Trauer stecken und plötzlich eine neue Katze vor die Nase gesetzt bekommen: „Schau‘ mal, Dein neuer Kumpel, jetzt bist Du nicht mehr so allein.“ Das würden wir Menschen auch nicht toll finden…

Natürlich kann es sein, dass eine Katze sich über gut ausgesuchte Gesellschaft freut, aber es gibt durchaus viele Katzenbeziehungen, bei denen die zurückgebliebene Katze 3 Kreuze macht, weil sie sich endlich frei und ohne Angst durch die Wohnung bewegen kann oder weil sie jetzt endlich die volle Aufmerksamkeit ihres Menschen bekommt oder einfach ihre Ruhe hat oder, oder, oder.

Daher sollten wir uns in solchen Fällen immer gut hinterfragen. Was steckt hinter unserem Bedürfnis nach einer neuen Samtpfote? Haben wir wirklich das Wohl unserer Katze im Sinn? Es wäre nicht fair, aus rein egoistischen, wenn auch ganz menschlichen Gründen heraus zu handeln, ohne die Bedürfnisse unserer Katzen einzubeziehen – im Zweifel haben wir sonst mehrere Katzen zu Hause, die überhaupt nicht miteinander zurechtkommen und wir stehen hilflos daneben. Damit ist niemandem geholfen, weshalb die Entscheidung zu einer weiteren Samtpfote gut überlegt sein will.

Unpassende Wahl eines Katzenpartners
Nehmen wir jetzt einmal an, Du lebst mit einer Samtpfote zusammen und hast Dich nach einer angemessenen Zeit und guter Beobachtung entschieden, ihr einen Katzenpartner an die Seite zu stellen.

Was denkst Du ist eher wahr:

  1. Gleich und gleich gesellt sich gern oder
  2. Gegensätze ziehen sich an?

Ich löse auf: in der Regel sollten wir uns an Variante 1 halten. Hier ein (fiktives) Beispiel:

Die Katerbrüder Leo und Mohrle, beide 2 Jahre alt, leben in einer glücklichen Katerbeziehung. Sie toben und raufen liebend gern und schlafen auch gern zusammen auf dem Sofa. Bei einem Unfall kommt Mohrle ums Leben und Leo ist allein. Auch nach einer angemessenen Zeit der Trauer haben Leos Menschen den Eindruck, dass ihr Kater traurig ist. Er zieht sich zurück, mag nicht mehr spielen und ist insgesamt viel ruhiger als früher.

Im Tierheim wartet ein 12-jähriges Katzenmädchen namens Mini auf ein neues Zuhause. Sie ist eine sehr sensible Katze, die Zeit ihres Lebens als Einzelkatze mit ihren Menschen gelebt hat, die nun in eine Seniorenanlage umziehen mussten, in der keine Haustiere erlaubt sind.

Auch wenn Leos Menschen sich in die süße Katze schockverliebt haben, wäre es sehr wahrscheinlich keine gute Idee, sie mit nach Hause zu nehmen. Warum? Natürlich ist der Altersunterschied sehr groß und die Bedürfnisse einer 12-jährigen Katze und eines 2-jährigen Katers sind meist so weit voneinander entfernt wie Nord- und Südpol.

Zum anderen das Geschlecht. Gerade, was Spielvorlieben angeht, sind Kater in der Regel deutlich körperbetonter unterwegs, während Kätzinnen darauf häufig sehr genervt reagieren. Abgesehen davon, dass Leo sicherlich einen viel größeren Wunsch nach Aktivität hat…

Ein weiterer Punkt, der gegen eine Vergesellschaftung von Mini und Leo spricht: Mini hat noch nie mit anderen Katzen zusammengelebt. Es ist unwahrscheinlich, dass sie einen Kater, der kätzische Nähe gewohnt ist, ohne Weiteres an sich heranlässt.

Natürlich weiß man nie mit Sicherheit, wie unsere Samtpfoten reagieren, wir haben alle keine Glaskugel, aber insgesamt ist die Prognose für Mini und Leo aus meiner Sicht nicht sehr gut.

Die Menschen entscheiden sich für einen dreijährigen Kater namens Clown. Er ist mit anderen Katzen aufgewachsen, sehr freundlich, offen und zugewandt.

Hier passen sowohl Alter, Geschlecht und bisheriges Leben gut zusammen, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden Kater zueinander finden, deutlich höher ist – wenn wir Menschen bei der Vergesellschaftung wichtige Dinge beachten bzw. vermeiden, womit wir beim nächsten Punkt sind.

Unstrukturierte Zusammenführung
Clown soll also zu Leo ziehen – erstmal eine gute Idee. ABER es ist nicht damit getan, mit Clown nach Hause zu kommen, die Transportbox aufzumachen und den Dingen ihren Lauf zu lassen!

Zum einen hat Clown sicherlich einigen Stress im Gepäck durch den Transport und ggf. eine längere Fahrt, neue Gerüche, fremde Geräusche und jetzt sitzt da plötzlich auch noch ein ganz fremder Kater und glotzt ihn an!

Leo hingegen hat vielleicht gerade ein Nickerchen gemacht, wird durch den Lärm seiner Menschen wach, kommt vom Schlafplatz und rennt geradewegs in eine andere Katze hinein – ganz plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung!

Du merkst, das ist keine gute Idee. Damit wir Menschen den Katzen einen guten Start ermöglichen, sollten wir Vorbereitungen treffen. Dazu gehört ein eigenes, abgeschlossenes Willkommenszimmer für den Neuankömmling, in dem er in Ruhe mit allem, was er braucht, ankommen kann, ganz ohne Stress. Ob diese Phase einen Tag oder ein paar Wochen dauert, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig ist, dass die nächsten Schritte erst folgen, wenn die neue Katze sich im Willkommenszimmer stressfrei bewegt.

In der Zwischenzeit wird die andere Katze über den Geruch und die Geräusche hinter der geschlossenen Tür merken, dass da noch jemand ist und kann sich langsam daran gewöhnen. Man kann auch vorsichtig einen Geruchsaustausch über Spielzeuge und Körbchen vornehmen – aber bitte die Katzen nicht abreiben, um den neuen Geruch „überzustülpen“!

Ob dann mit Gittertür oder anderen Hilfsmitteln gearbeitet wird, hängt vom Einzelfall bzw. den „Einzelfellen“ ab… Hier heißt es gut hinschauen und sich ggf. professionelle Unterstützung an die Seite holen.

In jedem Fall ist eine gut strukturierte Zusammenführung die Basis für ein harmonisches Miteinander zwischen unseren Samtpfoten. In unserem Beispiel sind die Menschen von Clown und Leo behutsam vorgegangen und die beiden sind mittlerweile die besten Kater-Kumpel.

FAZIT
Wir Menschen sollten immer gut überlegen, aus welcher Motivation heraus eine weitere Katze bei uns einziehen soll und bei der Wahl eines neuen Katzenpartners ganz genau hinschauen. Ein passender Sozialpartner kann eine wundervolle Bereicherung für ein Katzenleben sein. Daher sollten wir uns im Vorwege Gedanken machen und unseren Samtpfoten bei der Zusammenführung Zeit lassen – für ein glückliches und entspanntes Miteinander.

Über Katzenlächeln
Als Verhaltensberaterin für Katzen helfe ich einfühlsamen Katzenhaltern, Problemverhalten ihrer Samtpfoten zu verstehen und aufzulösen. Gemeinsam machen wir uns auf die spannende Reise, unsere Katzen wirklich zu verstehen und ihnen dann ein glückliches und erfülltes Katzenleben zu ermöglichen.

Ein verständnisvolles Miteinander und das Wissen um die Bedürfnisse unserer zauberhaften Samtpfoten ist die Voraussetzung für einen entspannten gemeinsamen Alltag.


Christiane Skuza – Katzenlächeln

www.katzenlaecheln.de

Fotos: Kim Indra Oehne

www.kio-fotos.de