Die „richtige“ (Zweit-)Katze finden

Lebt man mit mehreren Samtpfoten zusammen, kommt meist irgendwann der Zeitpunkt, dass eine Katze vor der anderen über die Regenbogenbrücke geht. Nach einer Zeit der Trauer – die auch für Katzen wichtig ist – kommt vielleicht der Wunsch auf, einer neuen Samtpfote ein Zuhause zu schenken. Vielleicht, weil man selbst das möchte, vielleicht auch, weil man denkt, dass die zurückgebliebene Katze einsam und unglücklich ist.
Hier ist es ganz wichtig, die eigenen Bedürfnisse und den eigenen Wunsch von dem vermeintlichen Wunsch seiner Katze zu trennen. Es ist nicht leicht, objektiv zu sein, aber zum Wohle aller sollte man ganz genau hinschauen.
Wenn dann nach reiflicher Überlegung die Entscheidung für kätzischen Familienzuwachs gefallen ist, geht es um die Frage, wer die richtige Partnerkatze ist. Hier gibt es nicht DIE EINE Empfehlung. Allerdings kann es hilfreich sein, sich über ein paar Punkte Gedanken zu machen.

Jung und alt?

Baby Boris mit Senior Katze Izzy

Zu einer Senior-Katze eine Babykatze hinzuzuholen ist in den meisten Fällen keine gute Idee. Die Ansprüche ans Leben sind grundlegend verschieden. Während eine ältere Katze gern auf bequemen Plätzen liegt, nach draußen schaut, mit ihrem Menschen kuschelt und die eine oder andere Spieleinheit genießt, will ein kleiner Wirbelwind noch die ganze Welt entdecken, hat Flausen im Kopf und will IMMER spielen! Das kann einer Katze, die sich nach Ruhe sehnt, ziemlich auf die Nerven gehen und auch zu Aggressionen führen. Als Mensch ist es schwer, diesen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden und häufig endet das mit einer genervten Katze, die einfach nur in Ruhe gelassen werden möchte und einem Zwerg, der frustriert die Gardinen hochklettert, weil er keinen Spielkameraden hat.

Natürlich spielen hier die Charaktereigenschaften ebenfalls eine Rolle. Auch eine ältere Katze kann noch sehr verspielt sein, aber die unbändige Energie einer jungen Katze hat sie in aller Regel nicht.
Nicht zu vergessen sind auch mögliche Alterserscheinungen oder Krankheiten, die dazu beitragen können, dass eine ältere Samtpfote nicht mehr so agil ist oder ein größeres Ruhebedürfnis hat. In einem solchen Fall KANN es eine Option sein, zwei kleine Kätzchen ins Haus zu holen, wenn man seiner Senior-Katze genug Rückzugsplätze schafft, auf denen sie wirklich Ruhe hat und nicht von den Kleinen bedrängt wird.

Kater und Kätzin?

Auch hier kann man keine pauschale Aussage machen. Was man jedoch gerade bei jüngeren Katzen beobachten kann, ist ein unterschiedliches Spielverhalten. Kater spielen meist derber und raufen mehr, sie lieben Rangelspiele, während Kätzinnen weniger den Körperkontakt beim Spielen suchen, sondern Objektspiele, also Spiele mit Gegenständen, bevorzugen.
Ein Kater also, der immer voll Karacho auf die Kätzin losgeht, macht sich damit nicht unbedingt beliebt und die Kätzin findet u. U. eine sehr deutliche Sprache oder versucht, sich in Sicherheit zu bringen.

Video Boris Maja
Anmerkung von Ulrike Kurz von Profeline:
zum dieser Anmerkung von Frau Skuza ist mir gleich das Verhalten von unserem Kater Boris eingefallen – man sieht deutlich den „kleinen“ Macho aber die Mädels können sich wehren :)

Charakter
Natürlich spielt der Charakter eine große Rolle. Es gibt ältere Semester, die richtig viel Spaß an Action & Co. haben und auch junge Katzen, die eher von der gemütlichen Sorte sind. Es gilt daher immer, genau hinzuschauen und vor allem die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und zu schauen, was die eigene Katze möchte und braucht.
Es kann durchaus sein, dass eine Katze, die ihren Katzenpartner verliert, regelrecht aufblüht und man dann erst erkennt, dass die Katzenbeziehung vielleicht doch nicht so innig war, wie wir es immer gedacht haben.
Vielleicht genießt eine Katze auch die alleinige Aufmerksamkeit ihres Menschen so sehr, dass der Wunsch nach einem Katzenkumpel gar nicht groß ist.

Eine, zwei oder drei?
Vielleicht hast Du auch noch gar keine Samtpfote und stehst vor der Frage, ob Du eine oder zwei oder mehr Katzen in Dein Leben aufnehmen möchtest?
Folgende Fragen vorab können unterstützen:
⦁ Möchtest Du eine erwachsene Katze, die aus dem Gröbsten raus ist?
⦁ Bist Du viel zu Hause und wünschst Dir ruhige kätzische Gesellschaft?
⦁ Möchtest Du einer älteren Samtpfote die Möglichkeit geben, ein paar glückliche, sorgenfreie Jahre mit Dir zu verbringen?
⦁ Möchtest Du ordentlich Action in der Bude und hast Spaß, Katzenbabys aufwachsen zu sehen?
Natürlich gibt es auch hier nicht DIE PERFEKTE Empfehlung. Wenn Du jedoch überlegst, Dein Leben mit einem Katzenbaby zu teilen, rate ich immer dazu, nicht nur ein Kätzchen aufzunehmen, sondern zwei. Zum einen ist es wunderbar, die kleinen Zwerge miteinander zu beobachten und heranwachsen zu sehen, zum anderen ist es auch für die kleinen Kätzchen viel schöner, einen Gefährten an der Seite zu haben, mit dem man Unsinn aushecken kann .
Vielleicht kennst Du die Empfehlung, zwei gleichgeschlechtliche Geschwister aus einem Wurf aufzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beiden sich auch später noch gut verstehen, ist recht hoch, aber natürlich gibt es keine Garantie.

Boris und Maja beim Kennenlernen

Holst Du Dir eine Katze aus dem Tierheim nach Hause, versuche möglichst viel über die Vergangenheit des Tieres zu erfahren, um Dir einen Eindruck davon zu verschaffen, ob Ihr ein gutes Team werden könntet. Manchmal werden Katzen gemeinsam vermittelt, die vorher zusammengelebt haben und sich gut verstehen. Solche Paare sollte man möglichst nicht trennen.
FAZIT
Es gibt keine pauschale Empfehlung dafür, wie man nach dem Verlust einer Katze vorgehen sollte. Was ich persönlich jedoch wichtig finde, ist sich und seiner Samtpfote ein wenig Zeit zu geben, den Verlust zu verarbeiten und gut abzuwägen, ein neues Familienmitglied ins Haus zu holen. Schließlich ist es unser aller Wunsch, dass wir gemeinsam mit unseren Katzen glücklich und friedlich zusammenleben und für mich gehört dazu, sich liebevolle Gedanken darüber zu machen, wer gut in die Familie passt oder ob die bestehende Konstellation nicht vielleicht die bessere Lösung ist.

Christiane Skuzza mit ihren Somalis – Foto: kio-fotos.de, Kim Indra Oehne

Blogbeitrag von Christiane Skuzza mit Bildern und Video aus dem Privatleben von Devon Rex Kater Boris und seinen Freundinnen